Merkblätter und Anleitungen zur Gewinnung und Aufarbeitung des cytologischen Materials (Stand: Juni 1999)
Grundsätzliche Regeln für die MaterialaufarbeitungEs ist immer anzustreben, unabhängig von der Fragestellung oder Organ, möglichst luftgetrocknete, unfixierte Ausstrichpräparate anzufertigen (technisch wie periphere Blutausstriche). Dies gilt besonders für alle aktiv frisch gewonnen Zellen wie z.B. durch Punktionen, Biopsieabstriche oder Bürstenausstriche. Nur diese Materialaufarbeitung ermöglicht die Durchführung von Cytochemien und eine optimale Immuncytochemie. Da in der Cytologie (im Gegensatz zur Histopathologie) die Ausstrichpräparate endgültige
Einzelpräparate - ohne die Möglichkeit eines
"Nachschnittes" - sind, sollten bei der Entnahme,
möglichst viele luftgetrocknete Präparate angefertigt werden
(mindestens 8-10 Stück, s. auch
Von allen flüssigen Materialien sollte zusätzlich zu dem alkoholfixierten Material, luftgetrocknete Präparate angefertigt werden (s. unten). Ein Teil des Materials sollte jedoch auch immer mit mindestens 70% Alkohol im Volumenverhältnis 1:1 fixiert werden. Besonders zellarme Flüssigkeiten wie z.B. Liquor, Urin und Galle, sollten, wenn keine unverzügliche Aufarbeitung als luftgetrocknete Sediment-ausstriche oder Cytocentrifugenpräparate möglich ist, sofort mit Alkohol fixiert werden. Bei Untersuchung von exfoliativen Material
(z.B. Sputum oder Urin), ist eine zumindest dreimalige
Untersuchung empfehlenswert, um die Sensitivität auf über 70
80% zu steigern. Dies kann über das Jahr verteilt oder
auch hintereinander erfolgen.
1. SputumIndikation Gewinnung und Aufarbeitung 2. BronchoskopiematerialIndikation: Diagnose von benignen und malignen Lungenerkrankungen. Möglichkeiten: Abhängig vom Material a - i können alle benignen oder malignen Lungenerkrankungen diagnostiziert werden. Für alle Erkrankungen bzw. Diagnosen gilt: Von jeder gewonnenen Biopsie sollte eine Imprintcytologie (luftgetrocknet) angefertigt werden (s. Abb. 1.). Zusätzlich sollten Bronchusbürsten- Ausstriche durchgeführt werden (s. auch Abb. 2) besonders bei flächenhaften und oder multiplen Veränderungen (wie z.B. bei Sarkoidose oder anderen entzündlichen Erkrankungen sowie Dysplasien) sollten Bürstenausstriche angefertigt werden. Dabei gilt es möglichst luftgetrocknetes Material (a - i) anzufertigen bzw. zu gewinnen. Bronchoskopiematerial:
Flüssige Materialien (a, b, c) müssen mit mindestens 70%igem Alkohol zu gleichen Teilen (1:1) versetzt werden. Von allen Materialien können jedoch auch luftgetrocknete Ausstrichpräparate angefertigt werden (8 -10 Stk.). Dies ist bei speziellen Fragestellungen, wie z. B. Differenzierung von Ausgangsorganen bei metastasierenden Tumoren oder Bestimmung der Lymphocyten Subpopulationen mittels Immuncytochemie, in jedem Fall notwendig. Die Materialien (d-i) werden auf sauberen
Objektträgern ausgestrichen bzw. abgetupft, luftgetrocknet und
ungefärbt eingesandt. Da alle cytologischen Ausstrichpräparate
endgültige einzeln Präparate sind, benötigen wir zur
Durchführung von cytochemischen oder immuncytochemischen
Untersuchungen mehrere luftgetrocknete Präparate (8 -10 Stk.). Speziell für die BALDas flexible Bronchoskop wird
lumenverschließend (WEDGE-POSITION) in einen Subsegmentbronchus,
vorzugsweise der Lingula oder des Mittellappens, eingeführt. Die
Oberlappen sind aus anatomisch - technischen Gründen weniger
geeignet. Aus den Unterlappen wird durchschnittlich etwas weniger
Lavageflüssigkeit zurückgewonnen. Anschließend werden
insgesamt 80-100 ml körperwarme, sterile physiologische NaCl -
Lösung in fünf Einzelfraktionen zu 20 ml instilliert. Nach
jeder Instillation wird sofort wieder sanft aspiriert. In der
Literatur werden als Gesamtinstillationsvolumen bis zu 300 ml und
mehr, als Einzelfraktion von 20 -100 ml empfohlen. Im allgemeinen
werden 30 - 60% des instillierten Volumens zurückgewonnen. Nach
sorgfältigem Mischen sollte die Flüssigkeit immer, besonders
dann wenn das Material sehr schleimig ist, zur Entfernung der
Schleimflocken, durch einen grobmaschigen (Einlagigen), sauberen
oder sterilen Mull "filtriert" und die Gesamtmenge
gemessen. Aufarbeitung der BAL zur Bestimmung von T4/T8- Lymphocyten Diese immuncytochemische Untersuchung sollte
nur an unfixierten Material durchgeführt werden. Daher müssen
die Präparate schon in der Klinik angefertigt werden. Dazu wird
ein Teil der gewonnenen Lavageflüssigkeit (ca. 20 ml) bei
mittlerer Drehzahl, z. B. 2000 U/min., 10 Minuten zentrifugiert.
Vom Sediment werden dünne Ausstriche (8 10 Präp.,
technisch am besten wie Blutausstriche) hergestellt, die
luftgetrocknet werden. Falls Sie über eine Cytozentrifuge
verfügen, kann das Material auch damit aufgearbeitet werden.
Dazu wird in jede Kammer 300 µl Lavageflüssigkeit eingefüllt
und bei 500 U/min. 10 Minuten zentrifugiert. Die luftgetrockneten
Präparate (8-10) werden dann eingesandt. Die restliche
Lavageflüssigkeit wird wie üblich zu gleichen Teilen mit
mindesten 70%igem Alkohol versetzt und in unserem Labor
aufgearbeitet. 3. Pleura oder AscitespunktateUm die besten Ergebnisse zu erzielen empfehlen wir, einen Teil des Punktates 10 Min. bei mittlerer Drehzahl (z.B. 1500 Umdrehungen/min.) zu zentrifugieren. Vom Sediment werden 8 - 10 dünne Ausstriche auf sauberen Objektträgern angefertigt, luftgetrocknet und unfixiert eingesandt (technisch wie z.B. periphere Blutausstriche). Falls eine Cytocentrifuge zur Verfügung steht, sollte, je nach Zellreichtum des Materials, wie unter der BAL beschrieben oder nach Anreicherung durch vorherige Zentrifugation, luftgetrocknete Cytocentrifugen-präparate angefertigt werden. Bis diese optimale Aufarbeitungsform etabliert ist, bitten wir einen Teil des Materials mit mindestens 70%igem Alkohol im Volumen-verhältnis 1:1 mischen und dann versenden. Nach Etablierung und Sicherstellung der korrekten Aufarbeitungsform, kann auf das alkoholfixierte Material verzichtet werden. Sollte keine Cytocentrifuge zur Verfügung
stehen, kann der Erguss in einem länglichen Gefäß (wie z. B.
größeren Zentifugenröhrchen), durch die
Schwerkraftsedimentation, durch Stehenlassen für ca. 2 bis 4
Stunden an einem erschütterungsfreien Ort und nach vorsichtigem
dekantieren des Überstandes, das Sediment ebenfalls wie oben
beschrieben, aufgearbeitet werden. 4. Cystenpunktate (unabhängig vom Organ)Der Cysteninhalt wird grundsätzlich wie unter
Punkt 3 (Ergüsse) verarbeitet. 5. Feinnadel- und Aspirationspunktate (direkte Organpunktate, z.B. Leber, Niere, Haut, Lymphknoten, Schilddrüse u.s.w.)Bei allen Punktionscytologien, wird unabhängig
vom Organ, das Material wie ein Blutausstrich dünn
ausgestrichen, luftgetrocknet und unfixiert eingesandt (bitte
auch hier mind. 8 - 10 Ausstriche anfertigen). 6. Präparation von diversen Biopsiematerialien und Aspirations-BiopsienPunktionsmaterialien und Bürstenabstriche von
verschiedenen Organen werden auf sauberen Objektträgern
möglichst dünn, unter Vermeidung von Quetschungen,
ausgestrichen bzw. abgerollt und luftgetrocknet (s. auch
Von Probeexcisionen (PE's) vom MAGEN,
BRONCHUS, LYMPHKNOTEN, MAMMA, LUNGE, MILZ, LEBER, SCHILDDRÜSE,
PROSTATA u.s.w. sollten ebenfalls luftgetrocknete, unfixierte
Tupfpräparate bzw. Abstrichpräparate (sog. Imprintcytologien)
angefertigt werden und parallel sowie unabhängig von der
Histopathologie cytologisch untersucht werden ( 7. UrinIndikation Für die urincytologische Untersuchung sollte möglichst nicht der Morgenurin verwendet werden. Hierfür ist am besten Urin geeignet, der nach dem Trinken von reichlich Flüssigkeit (z.B. ca. 1 Liter Tee oder Wasser), als frisch gelassener Mittelstrahl - Urin gewonnen wird. Der Urin sollte unverzüglich mit mindestens 50% Alkohol (70 - 95% Alkohol sind ebenfalls geeignet) unverzüglich zu gleichen Teilen (Volumenverhältnis Urin:Alkohol = 1 : 1) zur Fixierung versetzt werden. Hierfür sind speziell vorbereitete mit Alkohol gefüllte Röhrchen sowie Versandhülsen vorhanden. Es sollten mindestens 15 20 ml Urin untersucht werden, um eine ausreichende Zellmenge untersuchen zu können. Steht eine Aufarbeitungsmöglichkeit als
Sedimentausstrich oder Cytocentrifugat zur Verfügung, so kann
und sollten, bei speziellen Fragestellungen wie z. B.
Keimdifferenzierung, Virusinfektion, Nierenzelltumoren u.ä.), parallel
zusätzlich, luftgetrocknete Ausstriche angefertigt
werden. 8. Gynäkologische AusstricheDiese sollten sofort nach Entnahme fixiert
werden (in der Regel durch handelsübliche Sprayfixativa wie z.
B. das Merkofix oder Äther/Alkohol zu gleichen Teilen). Falls
kein Fixativum zur Verfügung steht, kann der Ausstrich auch
luftgetrocknet eingesandt werden. 9. LiquorDie gewonnene Flüssigkeit sollte möglichst
sofort nach der Entnahme unfixiert mit der Cytozentrifuge
aufgearbeitet werden (s. oben). Auch hier mind. 4 6 Präp.
anfertigen. Abb. 1 und 2 : Anfertigen von Imprint-Cytologien (Tupfpräparaten)
Abb. 3 : Anfertigen
von
Bürstenausstrichen Abb.
4 : Ablauf bei Imprint-Cytologien
Versandmaterial wie
Einsendescheine, Objektträger, Objektträgerhülsen, Röhrchen
mit Alkohol und Tüten können Ihnen auf Wunsch zugesandt werden.
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