Interpretation von Malignitätsvorstufen bzw. Malignitätsverdächtigen Befunden (PAP-KL. III, PAP-KL. IIID und PAP-KL. IVb)

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Abhängig vom Material und Organ bzw. Lokalisation, sollten bei der Interpretation und therapeutischen Vorgehen bei malignitätsverdächtigen Befunden, folgende Hinweise bzw. Informationen berücksichtigt werden.

PAP Klasse IIID leichte, mäßige und schwere Dysplasie

Hierbei handelt es sich in der Regel um exfoliatives Material mit plattenepithelialen- bzw. dem Plattenepithel entstammende Zellen oder auch Plattenepithelien imitierende atypische Zellen, die unterschiedliche Schweregrade von zellulären Dysplasien aufweisen können. Ursache für einen solchen Befund können Malignitätsvorstufen bzw. Vorstadien sein oder es liegt ein maligner Tumor vor, wobei in diesem Fall nur Zellen der Tumorrandreaktion oder Tumor begleitende Zellen, jedoch keine malignen Zellen, im Untersuchungsmaterial enthalten sind. Bei einem Befund aus dieser Gruppe, sollte innerhalb 3 bis 6 Monate nach Befund-erstellung erfolgen. Bei Sputumcytologien, sollte nach einem Befund in dieser Pap – Klasse, eine dreimalige Wiederholung, als Kontrolle innerhalb des gleichen Zeitraumes durchgeführt werden. Bei leichter oder mäßiger Dysplasie, kann sich der Befund evtl. auch zurückbilden oder nach einem evtl. Jahre- bzw. Jahrzehntelangem Malignitätsvorstadium, zu einem malignen Tumor transformieren. Eine langfristige jährliche Kontrolle ist daher (im späteren Verlauf in größer werdenden Zeitabständen) sicher indiziert (s. auch diagnostisches Flussdiagramm).

Grundsätzlich gilt: Je schwerer die Veränderung eingeordnet wird, desto größer die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen bzw. auf das Entwickeln eines malignen Tumors. Bei einem Befund in dieser Gruppe, sollte eine Kontrolle innerhalb von 3 bis 6 Monaten erfolgen.

Weitere differenzierte Informationen entnehmen Sie bitte auch aus den nachfolgenden Tabellen 1 bis 6.

Tab. 1: Bedeutung der Dysplasien und Atypischen Hyperplasien der Lungencytologie (Pap III und III D)
Tab. 2: Gesamtverteilung der atypischen Hyperplasien und Dysplasien
Tab. 3: Die Verteilung der Dysplasien auf die malignen und benignen Fälle
Tab. 4: Häufigkeit der Carcinomtypen bei atypischen Hyperplasien
Tab. 5: Häufigkeit der Carcinomtypen bei Dysplasien
Tab. 6: Zahlenmäßige Darstellung von 223 Rauchern (Frauen und Männer) mit PAP III Befunden

PAP-Klasse III atypische Proliferationen oder atypische Hyperplasien z.T. unterschiedlicher, organspezifischer Zellen.

Diese Pap-Gruppe wird oft für direkt durch Punktion (FNA), Bürste oder Biopsie (PE-Abstriche bzw. Imprintpräparate), gewonnene organspezifische Zellen benutzt, welche unterschiedliche Proliferationen oder Zellatypien aufweisen können.

Gründe hierfür können sein:

1) Bei Organpunktaten (Feinnadelaspirationscytologie): Hierbei ist es möglich, daß der maligne Tumor nicht direkt getroffen wurde, sondern der Randbereich mit atypischen Proliferationen (Tumorrandreaktion). Bei vorliegendem Tumorverdacht wird in diesen Fällen eine kurzfristige Wiederholung der Untersuchung empfohlen.

2) Aufgrund starker Zelldegeneration (z.B. Nekrose) kann ein möglicherweise maligner Tumor nicht sicher eingeordnet werden. Auch hier wird eine kurzfristige Wiederholung der Punktion empfohlen.

3) Ein primär benigner Tumor mit deutlicher Proliferation und Atypien, welcher möglicherweise vor einer malignen Entartung steht. Hier wird eine Verlaufskontrolle (Zeiträume abhängig von Organ und Lokalisation) empfohlen.

4) Randreaktionen eines primär benignen, teilweise auch entzündlichen Prozesses mit nur einem temporären Erscheinungsbild von Atypien oder Randreaktion welches sich zurückbilden kann (z.B.bei karnifizierende Pneumonie oder Tuberkulose).

PAP-Kl. IVb Hier liegt der dringende Verdacht auf einen malignen Tumor vor, wobei cytologisch nur einige, sehr wenige Zellen (oft weniger als 5 Tumorzellen) vor, die für eine definitive klare Klassifikation des Tumors und Bestimmung seiner Histogenese nicht ausreichen.

Insbesondere vor einer Chemo- oder operativen Therapie sollte dieser Befund durch Wiederholung der Untersuchung gesichert werden, damit durch Gewinnung von mehr Tumorzellmaterial die Differenzierung und Bestimmung der Histogenese und der Ursprungsort des Tumors genauer Erfolgen kann.

Grundsätzlich ist zu beachten, daß bei bestehendem klinischen Verdacht auf einen malignen Tumor (z.B. durch bildgebende Verfahren), die Diagnose durch Wieder-holung der Untersuchung gesichert werden sollte. Erst nach mindestens einer Wiederholung der Untersuchung, sollte, abhängig vom individuellen Fall, das weitere, eventuell invasivere Vorgehen zur Sicherung der Diagnose diskutiert werden.

Die Ergebnisse der folgenden Tabellen stammen aus größtenteils eigenen Studien und sind nicht nur für die Lungencytologie gültig.

Der vorliegende Text umfaßt den derzeitigen Kenntnisstand in der cytologischen Diagnostik. Bei eventuellen Änderungen werden wir Sie unverzüglich Informieren.

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Tab. 1: Bedeutung der Dysplasien und Atypischen Hyperplasien der Lungencytologie (Pap III und III D)

Klinisch Tumor erkennbar, bekannt oder Verdacht auf malignen Tumor   Klinisch kein Tumor erkennbar oder bekannt
Wahrscheinlich Begleitrekation (Tumorrandreaktion) eines malignen Tumors.

Muss unbedingt abgeklärt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt Malignität vor.

  Wahrscheinlich Vorstufen eines malignen Tumors (auch reversibel).

Nach einer kurzfristigen, langfristigen Kontrolle in 6-12 Monatigen Abständen empfohlen.

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Tab. 2: Gesamtverteilung der atypischen Hyperplasien und Dysplasien

PAP-Kl. III und PAP-Kl. III D Anzahl Maligne (%) Benigne (%)
Dysplasien

- leicht

- mäßig

- schwer

189

47

72

50

99 (58,6)

27 (57,4)

37 (51,4)

35 (70,0)

70 (41,4)

20 (42,6)

35 (48,6)

15 (30,0)

Atypische
Alveolarzellhyperplasie

Atypische
Flimmerepithelhyperplasie

Atypische Basalzellhyperplasie


29


32

7


21 (72,4)


22 (69,0)

5 (71,4)


8 (27,6)


10 (31,0)

2 (28,6)

Diverse Atypien 20 16 (80,0) 4 (20,0)
Summe 257 163 (63,4) 94 (36,6)

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Tab. 3: Die Verteilung der Dysplasien auf die malignen und benignen Fälle

Dysplasien Maligne (%) Benigne (%) Gesamt (n) (%)
Leicht 27 (57) 20 (43) 47 (100)
Mäßig 37 (51) 35 (49) 72 (100)
Schwer 35 (70) 15 (30) 50 (100)

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Tab. 4: Häufigkeit der Carcinomtypen bei atypischen Hyperplasien

Carcinomtyp Atypische Alveol. (%) Atypische Flimmerz. (%) Atypische Basalz. (%) Diverse Atypien (%)
Plattenep. Ca

Adenoca.

Kleinzell. Ca.

Komb. Ca

Großzell. Ca

Andere

3 (14)

14 (67)

2 (10)

-- --

2 (10)

-- --

5(23)

10 (45)

4 (18)

1 ( 5)

2 (9)

-- --

3 (60)

-- --

1 (20)

1 (20)

-- --

-- --

5 (31)

2 (13)

-- --

-- --

3 (19)

1 (6)

Summe 21 (100) 22 (100) 5 (100) 16 (100)

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Tab. 5: Häufigkeit der Carcinomtypen bei Dysplasien

Carcinomtyp Leichte Dysplasie (%) Mäßige Dysplasie (%) Schwere Dysplasie (%)
Plattenepithelcarcinom 13 (48) 18 (49) 23 (66)
Adeno-Ca. 3 (11) 8 (22) 5 (14)
Kleinzell.Ca. 7 (26) 6 (16) 6 (17)
Komb. Ca. 1 ( 4) -- -- 1 ( 3)
Großz. Ca 3 (11) 2 ( 5) -- --
Andere   3 ( 8) -- --

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Tab. 6: Zahlenmäßige Darstellung von 223 Rauchern (Frauen und Männer) mit PAP III Befunden bezogen auf die Malignität und Benignität

Rauchen Maligne (%) Benigne (%) Insgesamt (%)
JA 130 (73 )* 48 (27) 178 (100)
NEIN 23 (51) 22 (49) 45 (100)
SUMME 153 (69) 70 (31) 223 (100)

*Unterschied gegenüber Nichtraucher signifikant.